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Türkei-Knigge - Nützliche Verhaltensmaßregeln für Gäste der Türkei
„Der Kluge bemüht sich, alles richtig zu machen. Der Weise bemüht sich, so wenig wie möglich falsch zu machen.“ (Türkisches Sprichwort)
1. Besuch einer Moschee Im Gegensatz zu manchen arabischen Ländern können in der Türkei Moscheen auch von "Ungläubigen" besichtigt werden. Moscheen in einem islamischen Land sind immer interessant und haben eine gewisse Anziehungskraft auf die Besucher des westlichen Auslandes. Zum einen ist es die fremde Religion, zum anderen aber auch die Neugier auf die interessanten und fremdartigen Gotteshäuser in einem anderen Kulturkreis. Bitte beachte aber folgende Empfehlungen:
- Gläubige und Besucher ziehen grundsätzlich vor dem Betreten einer Moschee die Schuhe aus. Vermeide bitte eine Moschee während eines Gebetes zu betreten. Die Gläubigen fühlen sich gestört und ein Gebet wird ungültig, wenn man vor Betenden herumlatscht.
- Ebenso empfiehlt es sich nicht, Moscheen an einem Freitag zu besuchen. Es ist der Hauptgebetstag für die Moslems.
Wundere dich daher nicht, wenn du an einem Freitag vor einer Moschee, auf dem Gehsteig betende Moslems auf ihren Gebetsteppichen siehst. Die Moschee ist dann sicherlich total überfüllt.
- Bitte sei dann so rücksichtsvoll und wechsele die Straßenseite. Mach bitte auch keine Fotos und enthalte dich abfälliger Bemerkungen. Es verstehen mehr Türken Deutsch, als du denkst.
- In der Moschee bedecken Frauen Ihren Kopf mit einem Kopftuch und gehen nicht mit kurzen Pants oder Röckchen in das Gotteshaus. In größeren "touristenwirksamen" Moscheen liegen Tücher am Eingang aus.
- Auch Männer sollten nicht mit kurzen Hosen eine Moschee betreten.
Kurze Hosen sind sowieso - in den Augen der Türken und anderen mediterranen Ländern - nur etwas für kleine Jungs oder gelten als Unterwäsche. Ein Erwachsener mit kurzen Hosen macht sich daher lächerlich und wird dementsprechend behandelt!
2. Verhalten von Touristen/-innen Die Ehre der Frau hat in der Türkei eine andere Bedeutung und andere Ausmaße als in Deutschland. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich will dir keineswegs zu bodenlangen wallenden Gewändern und einem stets "züchtigen" Verhalten raten! Schließlich sind auch die Türkinnen in den Städten und Ferienzentren zum großen Teil sehr westlich. Sie tragen schicke Minikostüme statt Kopftuch und brechen in schallendes Gelächter aus bei der Nachfrage, ob sie Zuhause eingesperrt würden und sich in allen Bereichen des Lebens demütig dem Manne unterordnen müßten. Aber die unbedachte Freundlichkeit einer deutschen Frau gegenüber Männern wird schnell mißverstanden. Eine Türkin lächelt nicht jeden fremden Mann an, sondern verhält sich für deutsche Augen durchaus arrogant und abweisend. "Harmlose" Flirts mit dem Kellner oder dem Verkäufer sind kaum üblich. Natürlich steht es dir als Urlauberin frei, dein "deutsches" Verhalten auszuleben. Aber du darfst dich nicht wundern, wenn du automatisch in die Rubrik "leichte Beute" eingeordnet wirst und Anmache von allen Seiten riskierst. Selbst von in der Türkei lebenden Deutschen habe ich immer wieder Klagen über die "unsägliche Anmache" auf der Strasse gehört. WIR haben kaum derartige Probleme. Ein abweisender und völlig unverständiger Blick auf "Flirt - Angebote" der Männer wirkt sofort Wunder. Kurz noch zur oben bereits erwähnten Kleidung: Ich ersparen mir Kommentare zur in Urlaubszentren durchaus beliebten “im - Bikinioberteil - durch - die - Stadt - Schlapperei” oder (Hallo, Krone der Schöpfung) “mit - offenem - Hemd - oder - nacktem - Oberkörper - hinter - der - Gattin - her - Latscherei”. Fest steht nur eines: Selbst in Mitteleuropa würde man in der Stadt mit halbnackter Erscheinung auf Befremden stoßen, auch wenn das Wetter mal ausnahmsweise mitspielt. Außerdem hast du beim Einkaufsbummel in solch “unmöglicher” Kleidung schlechte Karten. In der Türkei gilt: “Kleider machen Leute”.
3. Verhalten zwischen den Geschlechtern Wilde Knutscherei in der Öffentlichkeit wird beim Urlauber zwar toleriert, schließlich bringt er Devisen ins Land, ist aber extrem unüblich bei Türken. Und ein Mann, der amüsiert daneben steht, während seine Frau mit dem Verkäufer der Ledertasche im Bazar flirtet, macht sich hochgradig lächerlich. Türken können nicht nachvollziehen, daß der deutsche Mann die Bedeutung jener doch so "harmlosen Freundlichkeit" völlig anders einschätzt und halten ihn für einen Waschlappen, der noch nicht mal in der Lage ist, seine eigene Frau zu verteidigen. Übrigens beinhaltet der Flirt im Beisein des Mannes automatisch eine krasse Mißachtung beider, sowohl des Mannes als auch der Frau. Bei der einfachen und ländlichen Bevölkerung geht das soweit, daß die Frau ÜBERHAUPT NICHT beachtet wird, weder gegrüßt noch angeguckt. Man verhandelt ausschließlich mit dem Mann. Die Europäerin fühlt sich daraufhin mißachtet ob des vermeintlich "stoffeligen" Verhaltens. Tatsächlich ist das als Wertschätzung ihrerseits beabsichtigt! Moderne Türken agieren selbstverständlich nicht derartig kraß, aber trotz allem wird in der Regel mehr mit dem Mann gesprochen sowie auf keinen Fall mit der dazugehörigen Frau ein Flirt angezettelt. Wundere dich daher nicht, wenn du als Mann per Handschlag begrüßt wirst, aber deiner Begleiterin - wenn überhaupt - nur kurz zugenickt wird. Als Mann gibst du einer Türkin bitte nur die Hand, wenn sie dir diese entgegenstreckt. Besonders gläubige ältere oder sehr junge Frauen würden keinen nicht mit ihnen verwandten oder gar fremden Mann berühren. Sprich daher (als Mann) auch möglichst keine türkische Frau mit Kopftuch an, es wäre ihr peinlich, im "Gespräch" mit einem Fremden gesehen zu werden. In einem Geschäft, wo eine Frau mit Kopftuch als Verkäuferin arbeitet ist das natürlich etwas anderes. Vermeide ebenfalls, in einem öffentlichen Verkehrsmittel (z. B. Dolmuş), auch wenn er noch so voll ist, dich neben eine Türkin zu setzen. Auch in diesem Fall sind es die älteren und gläubigen Frauen, die dann heftig und laut protestieren würden.
4. Beachtung der Gegensätze im Land Als Pauschalreisender, der sich auf die Touristenzentren beschränkt, wirst du von den krassen Gegensätzen im Land kaum etwas mitbekommen. Wenn du allerdings individuell reisen und auch das dünn besiedelte Inland kennenlernen willst, sieht die Sache anders aus. In den zentralanatolischen Dörfern und im Osten gibt es Gebiete, in denen völlig andere Gesetze gelten, als an der Küste und den Städten. Archaisch anmutende Dorfstrukturen, feste traditionelle Familienverbände und große Frömmigkeit sind dort an der Tagesordnung. Meist werden die Leute sehr nett und hilfsbereit zu dir sein und dir mit einer überwältigenden Gastfreundschaft begegnen. (Diese Menschen findest du häufig in deiner Nachbarschaft in Deutschland. Denn aus diesen armen Gebieten kommen die meisten türkischen Gastarbeiter, weil es im Hinterland der Türkei nicht genügend Arbeit gab und gibt.) Daher wäre es vielleicht ratsam, in solchen Dörfern das Miniröckchen im Koffer zu lassen und statt dessen lieber weite, halbwegs elegante Kleidung zu wählen. Du sollst dich nicht in Sack und Asche hüllen oder verschleiern, ein langes Kleid oder eine leichte lange Sommerhose mit Bluse kann auch schick aussehen und verletzt nicht das Anstandsgefühl der Bevölkerung in diesen Teilen des Landes. Weiterhin wäre es auch anzuraten, auf für die Leute provozierende Gesten wie z. B. Essen und Rauchen in der Öffentlichkeit während des Ramadan (Fastenmonat) zu verzichten.
5. Privat eingeladen - und was jetzt? Westeuropäer haben ein Problem, wenn sie in der Türkei zu einem privaten Besuch eingeladen werden: Was bringen sie als Gastgeschenk mit? Für den westlich orientierten Hausherrn ggf. einen guten Rakı oder Whiskey (eigentlich nicht üblich, daher vorher mal vorsichtig nachfragen! Einige meiner Freunde trinken gern mal einen der erwähnten Hochprozentigen - nur nicht während des Ramadan!) wäre eine Möglichkeit. Für die Hausherrin einen Blumenstrauß mitzubringen ist zwar für uns völlig normal und wird auch entsprechend gewürdigt, aber in der Türkei wirst du damit selten Beifallsstürme ernten (suche mal einen Blumenladen!!??). Daher also ein unbefriedigendes Unterfangen. Versuche es mal mit Baklava (diese überaus süßen Gebäckstücke zum Nachtisch), wenn du zum Essen eingeladen wirst oder bei einer Tee-Einladung mit Kurabiye (gemischte Plätzchen). Weitere geeignete Mitbringsel, wenn man denn der “Besuch aus Deutschland” ist, wären 4711 Kölnisch Wasser (welches dir häufig zur Erfrischung gereicht wird), Pflegemittel, Haushaltsartikel, Werkzeug, ausgefallene Sämereien (die natürlich auch in der Türkei keimen sollten). Auch Parfüm wäre für die Dame des Hauses ein gern gesehenes Mitbringsel. Aber ob du bei der Auswahl den beliebten, schweren orientalischen Duft in deutschen Drogerien auch triffst, ist fraglich. Türkinnen freuen sich tatsächlich über nützliche Geschenke. Zweckmäßigkeit ist angesagt! Und nicht nur für die Kinder sind unsere Schokoladen, Pralinen und Lakritz ein gern gesehenes Gastgeschenk. Für Kinder in bäuerlichen Familien wären Kleidung, Schulsachen (Farbstifte, Zirkel, Mäppchen - keine Füllfederhalter!) angebracht. Spielzeug wird natürlich auch gern gesehen. Und noch etwas: Die Geschenke überreichst du selbstverständlich dem Hausherrn! Und wenn du ganz pünktlich eintriffst, wundere dich nicht, wenn die Dame des Hauses erst jetzt mit der Zubereitung der Speisen beginnt. Das ist völlig normal. Denn es hätte ja sein können, daß du unvorhergesehen aufgehalten wurdest (z. B., Besuch bekommen hast, den du natürlich nicht gleich wieder wegschicken konntest). Und um dir als Gast die Peinlichkeit des Zuspätkommens zu ersparen, wird eben erst nach deinem Eintreffen mit der Zubereitung der Speisen begonnen. Selbst wenn du dadurch auf die Anwesenheit der Hausfrau verzichten mußt. Aber die Hausfrau wirst du sowieso selten am Tisch sitzen sehen. Denn sie wird ständig damit beschäftigt sein, leere Teller, Tassen und Gläser abzuräumen, bzw. aufzufüllen, nachzuschenken und dich somit aufmerksam zu verwöhnen.
Auch zu beachten: Zieh deine Schuhe aus, wenn du eine türkische Wohnung betrittst. In der Regel stehen Hausschuhe für die Gäste bereit. Und wenn du in der Wohnung auf Socken herumlaufen solltest, wird dir zumindest vor Betreten des WC´s ein Paar Hausschuhe gereicht, denn die Toilettenräume gelten als unrein! Jetzt weißt du auch, warum in deutschen Wohnhäusern dann und wann Schuhe im Treppenhaus stehen. Eventuell wohnen hier türkischstämmige Mitbewohner. Ach, noch etwas: In Gegenwart von Älteren schlägt man (Mann und Frau) beim Sitzen nicht die Beine übereinander. Mit untergeschlagenen Beinen auf die Couch lümmeln ist dagegen kein Problem - aber (Achtung!!) dabei nicht mit den Fußsohlen auf jemanden zeigen. Das gilt als Herabsetzung und Beleidigung. Auch wäre es unhöflich, vor älteren Leuten zu rauchen - es sei denn, es wird ausdrücklich gestattet, oder “Baba” bietet dir eine Zigarette an.
6. Im Restaurant Gehobene Restaurants in Großstädten unterscheiden sich nicht von unseren. Aber auf dem Land kann es dir passieren, daß du nach alter Sitte im Schneidersitz essen mußt. Falls du mit der Hand essen mußt: nur die rechte benutzen, die linke gilt als unrein. In "typisch türkischen" Lokalen wird das Essen (Ausnahme: Gegrilltes) in der Regel lauwarm bis kalt serviert, sogar Pommes! Die meisten Lokale in Touristengegenden haben sich aber darauf eingestellt und servieren, wie für Deutsche gewohnt, das Essen heiß. Eine der größten Unarten in der Türkei wäre es, sich am Tisch die Nase zu putzen. Es kommt so ähnlich "rüber", als wenn du in einem deutschen Restaurant rülpsen, oder in Amerika dir am Tisch mit einem Zahnstocher die Zähne reinigen würdest. Man steht vom Tisch auf und putzt sich in entsprechendem Abstand die Nase, am Besten auf der Toilette.
Wie in den meisten südlichen Ländern gibt es oft nur eine Rechnung, die hier in der Regel auch von einer Person bezahlt wird. Nichts wäre schlimmer, als die Summe (wie in Deutschland häufig praktiziert) aufzuteilen. So heißt die “geteilte Rechnung auch: „Alman usülü hesabı“ (Rechnung auf deutsche Art). Kommt die Rechnung auf einem Teller, legt man - wie bei uns - das Geld, inkl. Trinkgeld in das Heft oder unter die Rechnung. Solltet ihr trotzdem die Rechnung splitten wollen - macht es später zu haus oder im Hotel. Geben Sie nicht zuviel Trinkgeld und dieses am besten in Türkischen Lira, da Euro - Münzgeld von den Banken nicht angenommen wird. Mehr als 10 TL sind nicht angebracht, das ist die oberste Grenze. Es sei denn, du willst als Großkotz angesehen werden. Wenn an einer zentralen Kasse bezahlt wird (in typisch türkischen Lokalen oft üblich) dann geben Sie das Trinkgeld in eine separate Tipbox, die fast immer auf dem Tresen steht. Heißer TIP: Als Trinkgeld könnte man auch Ein-Dollar-Scheine in der Tasche mit sich führen!
7. Schwarzer Tee

Wenn du Tee angeboten bekommst und dankend annimmst, wirst du feststellen. daß dir so lange nachgeschenkt wird, bis er dir wieder aus den Ohren herauskommt. Was tun?
Signalisieren, daß du keinen mehr möchten, indem du den Teelöffel quer auf das Glas legst.
8. Türkisch Mocca Zum beliebten türkischen Mocca, den du selten in einem Kahve bekommst, wird immer ein Glas Wasser gereicht. Warum? Der absolute Kenner trinkt das Wasser vor dem Kaffee. Der Mund soll von störenden Aromen gereinigt werden, bevor der Mocca genossen wird. Als Kulturbanause gilt, wer nach dem Kaffeegenuß den köstlichen Geschmack mit Wasser “zu neutralisieren” versucht.
9. Alkohol
Alkohol ist – außer für strenge Muslime – außerhalb des Fastenmonats erlaubt. Denn nur der Zustand des Rausches ist lt. Koran verboten. Im Ramadan solltest du dich (außerhalb der Tourismusgebiete) den Landessitten anpassen und auch darauf verzichten. Allgemeine Trinksitte bei Rakı: Man wartet bis alle Gläser gefüllt sind und den ersten Schluck trinken alle zusammen. Die Gläser werden aufgehoben und dein Glas sollte nicht höher sein als die der anderen. Es ist nicht empfehlenswert, daß du Rakı mit anderen Getränken mischst. Soviel Aspirin kannst du gar nicht konsumieren. Eines darf auch nicht vergessen werden, Rakı wird nie wie Korn, Wodka oder Tequila in einem Schluck getrunken.
10. Vermeidung von Reizthemen Verzichte als Tourist besser auf Diskussion mit Türken über Reizthemen, wenn dir an einem harmonischen Verlauf des Abends gelegen ist. Eines der bedeutendsten Reizthemen ist Atatürk. Vielleicht mag dir als Tourist und Europäer die extreme Verehrung dieses Mannes befremdlich erscheinen. Schon am Flughafen empfängt dich sein Portrait. Jeder größere Ort hat seinen Atatürk - Platz mit entsprechendem Denkmal. Allenthalben finden sich Atatürk-Straßen (meist Bulvaris) und selbst in Privatwohnungen hängt mitunter ein Konterfei des drahtigen Mannes mit dem entschlossenen Blick aus blauen Augen. Aber Atatürk ist eine türkische Integrationsfigur, eben "der Vater der Türken". Ohne ihn gäbe es keine Türkei in den heutigen Grenzen: Vielmehr wären weite Teile des Landes zwischen den Siegermächten des ersten Weltkrieges aufgeteilt worden. Ohne ihn gäbe es keine Republik mit Trennung zwischen Staat und Religion. Kurzum, das gesamte Staatsgebilde ist auf seinen Ideen aufgebaut. Über Atatürk diskutiert man nicht! Dazu sind seine Errungenschaften für das Land zu übermächtig. Zudem wirst du als Tourist im Zweifelsfall kaum die entsprechenden vertieften Kenntnisse haben, um überhaupt mitreden zu können (Verzeihung, aber vertiefte Kenntnisse bzgl. dieses Staatsmannes gehören - leider - grundsätzlich nicht zur deutschen Allgemeinbildung). Ein zweites Reizthema voller Mißverständnisse zwischen Türken und Europäern ist "die Lage der Kurden". Selbstverständlich liegt einiges im Argen und es gibt unschuldige Opfer - allerdings auf beiden Seiten. Aber Europäer setzen immer wieder "die Kurden" mit "der PKK" gleich. Dies ist eindeutig falsch. Im Land verteilt leben Millionen Kurden völlig normal und unbehelligt. Arbeiten, machen Geschäfte und distanzieren sich von der PKK als einer terroristischen Vereinigung. Genauso wie die Türken. Als die PKK im Jahre 1999 Bombendrohungen für Touristengebiete verbreiten ließ, haben sich viele kurdische Geschäftsleute genauso aufgeregt, wie ihre türkischen Nachbarn. Übrigens ist auch die kurdische Sprache nicht verboten, wie oft fälschlich zu hören ist. Hast du türkische Freunde, dann ist es aber grundsätzlich möglich, daß ihr politisiert. Besonders in heutiger Zeit wird heftig über den Kurs der AKP debattiert. Besonders die Kemalisten können dabei ganz schön in Rage geraten.
11. Bettler und Almosen Man begegnet ihnen überall. du wirst viele Türken sehen, die Bettlern etwas zustecken. Diese Bettler sind oft alte oder verkrüppelte Menschen, die in der Türkei ohne staatliche Hilfe leben müssen. Im Islam ist das Almosengeben eine heilige Pflicht. So ist es auch ein religiöser Brauch, am Tage des Opferfestes (Kurban Bayrami) das Fleisch der eigens dafür geschlachteten Schafe an Bedürftige zu verteilen. Bettelnden Kindern solltest du dagegen generell kein Geld geben.
12. Die Fastenzeit (Ramazan) Solltest du während der Fastenzeit (beginnt jährlich etwa 10-11 Tage früher, denn der 12monatige arabischer Kalender richtet sich nach den Mondphasen) in der Türkei Urlaub machen, dann vermeide bitte zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in der Öffentlichkeit zu rauchen, zu essen oder Alkohol zu trinken. In den Tourismusgebieten geht man damit zwar (zwangsläufig) tolerant um, aber etwas Zurückhaltung solltest du schon üben. Versuch du mal (als starker Raucher) den ganzen Tag keine Zigarette anzufassen und tagsüber nicht zu essen und zu trinken, wenn sich neben dir jemand diesen Sinnenfreuden hingibt! Eine Qual ist das! Und das mußt du dann auch noch vier Wochen durchhalten! Und dies ist besonders im Sommer, wegen der langen und heißen Tage, schwer wegzustecken. Da für die Moslems auch während des Tages der Beischlaf untersagt ist, sind die Herren Machos bei der sonst üblichen “Anmache” von Touristinnen (allerdings nur tagsüber) zurückhaltender.
Pünktlich zu Sonnenuntergang (in jedem Kalender ist die Uhrzeit ja vermerkt) wird dann aber täglich alles nachgeholt. Wer einmal zu einem Fastenbrechen (“Iftar”) eingeladen wurde, wird von den überbordenden Tafeln begeistert sein. Und wenn dir tagsüber einige Bedienstete und / oder Verkäufer etwas müde vorkommen, nicht wundern. Sie waren bereits weit vor Sonnenaufgang auf den Beinen, um noch in der Dunkelheit ein ausgiebiges Frühstück einzunehmen. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang noch, daß selbst in großen (höherklassigen) Häusern das Speiseangebot bei Tageslicht während der Fastenzeit eventuell zurückgefahren wird. Das ist für die Gäste zwar unverständlich, aber leider Wirklichkeit. Dafür werden die Hotelgäste aber am Ende des Ramadan (Ramazan Bayrami oder Seker Bayrami = Zuckerfest) verwöhnt. Dann feiern die Türken wahre Freßorgien und es wird aufgetischt, daß sich die Tischplatten biegen.
13. “Oben ohne” sollte grundsätzlich nicht sein Auch wenn du es von zu Hause gewohnt bist, dich am Strand und im Schwimmbad "oben ohne" zu zeigen (vielleicht, um auf dich aufmerksam zu machen?) und es für dich als freisinniges Menschenskind selbstverständlich ist, so solltest du dies in deinem Urlaub in der Türkei schon aus Anstand vermeiden. Im Islam ist öffentliche Nacktheit eine Sünde. Wenn du aber darauf nicht verzichten willst, dann solltest du dir eventuell ein anderes Urlaubsland suchen - oder ist dir das zu teuer? Gehörst du allerdings zu den Freunden des FKK, so gibt es z. Z. nur einen einzigen genehmigten Ferienclub in der Türkei (nahe Didim), der für FKK-Anhänger zugelassen ist (die Homepage: www.tnng.org ist leider nicht immer zu erreichen - warum wohl?) oder du buchst in der “Lykia World Village Residence” / Dalaman, dort findest du zumindest eine FKK- Liegewiese. Es ist sowieso nicht nachzuvollziehen, warum einige Urlauberinnen (bis auf das Dreieck des String) nahtlos braun werden wollen. Wem könnt Ihr denn diese komplette Bräune in der Öffentlichkeit präsentieren? Oder geht ihr auch “nackig” durch euer heimatliches Wohnviertel? Na ja, jedem das seine. Trotzdem sollten eure “Boobs” eingepackt werden, wenn ihr eure Liege am Strand oder am Pool verlaßt. Ein nackter Busen ist selten erotisch und läßt euch in der Türkei nicht im besten Licht erscheinen. Gesittete Westeuropäerinnen tragen zumindest einen Bikini am Pool. Während eine gläubige Muslima völlig bekleidet ins Wasser steigt. Die bekleidete Frau ist NICHT ins Wasser gefallen!
14. Fotografieren Die Türken lassen sich im allgemeinen gerne fotografieren und bedanken sich sogar hinterher bei dir, daß du sie fotografiert hast. So ist eben die türkische Höflichkeit. Aber du solltest vorher schon fragen oder andeuten, daß du sie fotografieren möchtest. Wenn das in ländlichen Gebieten passiert, wäre es eine schöne Geste von dir, dir die Adresse der "Models" geben zu lassen, um ihm einen Abzug des Bildes nach deinem Urlaub zu schicken. Du machst den Leuten eine große Freude damit. Das Fotografieren von militärischen Anlagen ist generell verboten.
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