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Köprülü Kanyon Milli Parkı und Selge (von Kemer aus) Juni 2004
Kurz vor Zehn, die anderen Hotelgäste hatten es sich bereits am Pool bequem gemacht oder gingen bereits zum Strand, kam ein Mitarbeiter von Abi durch den Hoteleingang und brachte uns den Wagenschlüssel. Wir gingen gleich mit nach draußen, um uns einweisen zu lassen. Und kurz darauf brausten wir auch schon los. Vorbei an Göynük und Beldibi fuhren wir durch die zwei „Tünel“ nach Antalya. Der Ausbau der D400 auf vier Spuren schritt zügig voran. An zwei Stellen wurde der Verkehr durch Strassenwärter mit Flaggen geregelt. Wir fuhren weiter durch Antalya und benutzten dabei den gut ausgebauten äußeren Ring. Der Beschilderung folgend, verließen wir den Ort in Höhe des Flughafens und durchfuhren kurze Zeit später Boztepe. Nach etwa 15 Kilometer sahen wir eine Abzweigung nach Belek. Wir fuhren weiter. Erreichten Cumali und kurz darauf Serik. Etwa fünf Kilometer hinter dem Ortsausgang tauchte ein Hinweisschild auf, das uns den Weg zum „Köprülü Kanyon Milli Parkı“ und nach „Selge“ wies. Eine sehr kurvenreiche Strasse, auf der sich nur schwerlich zwei Autos begegnen konnten, führte uns in die Berge. Wir durchquerten Taşağil und Cardak. Rechts und links Zedernwald auf felsigem Untergrund. Ab und zu eine freie Fläche, teilweise als Ackerland genutzt und partiell auch als Weide angelegt. Wir sahen einige Bergbauernhöfe, die allerdings zum größten Teil verfallen waren. Streckenweise fuhren wir am Fluß entlang. An einem Parkplatz hielten wir an und gingen zum Fluß hinunter. An dieser Stelle floß er recht träge dahin und die Spuren im Kies deuteten an, daß hier wohl eine der Ausstiegsstellen der Rafting-Touren war. Weiter oben sahen wir dann auch die großen, schweren Schlauchboote auf dem Köprü Çayı, die bei Bozyaka zu Wasser gelassen worden waren. Kurz hinter Bozyaka erreichten wir die alte Römerbrücke über die Schlucht des Köprü Çayı. Von hier war es noch gut 15 Kilometer bis Altınkaya und den Ruinen von „Selge“. Die alte Römerbrücke war noch gut in Schuß, allerdings sehr schmal. Trotzdem traute ich mich, sie mit dem Wagen zu überqueren. Und weiter ging es in Serpentinen durch eine wildromantische Naturlandschaft immer höher hinauf. Noch war der schmale Fahrweg geteert. Links und rechts der Strasse wuchsen krüppelige Pinien und Zedern auf felsigem, bröckeligem Untergrund. An den Abbruchkanten konnten wir sehen, wie weit sich die Wurzeln der Bäume in den Untergrund vorarbeiteten und so für Hohlräume sorgten, die sich teilweise mit braunem Humus gefüllt hatten. Überall leuchteten die rosa Blüten des wilden Oleanders. Dazwischen gelbe Tupfer vom Ginster. Ab und zu sahen wir auch Olivenbäume zwischen all den Büschen und Bäumen. Und tief unten im Tal sahen wir vereinzelt arrondierte, landwirtschaftliche Betriebe. Plötzlich öffneten sich die Felsen und gaben den Blick auf ein Hochtal frei. Der Anblick dieser Kulturlandschaft war faszinierend. Zu beiden Seiten des Tales waren Terrassen angelegt, welche bewirtschaftet wurden. Im Talgrund weideten ein paar Kühe und eine Ziegenherde. Weiter vorn, auf dem Höhenrücken lag das Dorf Altinkaya. Kaum hatten wir das erste Gebäude passiert, sprintete eine junge Frau auf die Strasse und bedeutete uns, anzuhalten. Sie offerierte uns einen Imbiß, den wir auf Ihrer Terrasse einnehmen könnten. Dabei deutete sie auf einen offenen, aber überdachten Anbau ihres Hauses. Da die Tageszeit schon weit fortgeschritten war und wir auch Hunger verspürten, nahmen wir dankend an. Zu den mit Schafskäse gefüllten Teigfladen (Gözleme), die auf einem gewölbten Blech gebacken wurden, tranken wir „Ayran“. Später ließen wir uns auch noch zu einer Cola überreden. Dann zeigte uns unsere Wirtin ihre in langen Winterabenden gefertigten Ketten, Tischläufer und gehäkelten Tücher. Wir hatten große Mühe, ihr begreiflich zu machen, daß wir keine Andenken erwerben wollten. Unsere ablehnende Haltung hat dann wohl auch dafür gesorgt, daß die Rechnung für Speis und Trank etwas zu deftig ausfiel. Zumindest für den hiesigen ländlichen Bereich. Wir bestiegen wieder unser Fahrzeug, um zur Ruinenstadt „Selge“ zu fahren. Aber dieses Vorhaben wurde jäh unterbunden, weil uns ein junger Mann die Strasse versperrte und uns einen Parkplatz zuwies. Er sagte uns, daß wir nicht weiterfahren durften, sondern zu Fuß die restliche Strecke bewältigen müßten. Auch gut. Mitten im Taurus auf einer Höhe von rund 1200 Metern liegen die Überbleibsel von Selge, der bekannten Stadt aus der Antike, die heute Teil des Bergdorfes Altinkaya Köy ist. Die Stadt Selge zählte einst 20 000 Einwohner und die Reste jener Zivilisation liegen nun weit verstreut um das abgeschiedene Altinkaya. Der Name "Selge" stammt wahrscheinlich von "Salaga" ab, was aus dem luwisch-etrustischem stammt und "tiefes Tal" bedeutet. Der Stadt nähert man sich über eine Brücke an der Sie intitische Inschriften finden, und sofern Sie dieser Sprache mächtig sind, werden Sie erfahren, daß Sie sich auf dem ehemaligen Gebiet von Pithassa - Pisidien befinden. Die Bevölkerung von Selge galt als tapfer und kriegswütig. Sie gingen als Weggefährten des trojanischen Königs Hektor in den Krieg und kämpften an seiner Seite; danach kämpften sie für die Perser als Söldner. Es folgte ein Krieg mit Pednelissos, einer nördlich von Selge gelegenen Stadt und schließlich verbündeten sie sich mit König Amintas vom Volk der Galater. Und so wanderten wir in Begleitung des jungen Mannes die Strasse entlang. Aus jedem Haus, welches wir passierten, kamen Erwachsene oder Kinder, gesellten sich zu uns und priesen ihre selbstgebastelten Andenken an. Die Frauen sprachen recht gut deutsch. So konnten wir in Erfahrung bringen, daß zur Zeit nur wenig Urlauber diese Gegend besuchten. Die Hochsaison für einen „Selge“-Besuch sei eher das Frühjahr oder der Herbst. Auf Katharinas Nachfrage, warum die Frauen so gut deutsch sprächen, bekamen wir erschöpfende Auskunft. Deutsch oder russisch oder holländisch würde den Frauen schon in der Schule beigebracht. Da die Männer zum größten Teil an der Küste arbeiten würden, mußten die Frauen sich um die Urlauber kümmern, die sich in diese Gegend verirrten. Daher war es zweckmäßig, sich eine Fremdsprache anzueignen. Das war einleuchtend. Inzwischen waren wir bestimmt schon 15 Personen, die die Strasse heruntergingen, als aus einem der Häuser eine ältere Frau trat und uns irgendwelche Zettel vor die Nase hielt. Sie wollte von Katharina und mir jeweils drei Euro haben, wenn wir die Ruinen besichtigen wollten. Jetzt wurde mir die ganze Angelegenheit aber zu dumm. Die ganze Zeit bedrängt von allen Seiten und jetzt auch noch einer alten Frau das Geld hinterher schmeißen. Nicht mit mir. Und da ich mich aber auf keinen Disput einlassen wollte, machte ich Katharina den Vorschlag, unsere Exkursion hier abzubrechen. Sie war einverstanden. Also genossen wir noch einmal den Blick auf das Hochtal mit den Ruinen von „Selge“ im Hintergrund und der großen, kargen Pferdekoppel auf der Hochebene, ließen uns mit unserer Kamera vor diesem Panorama fotografieren und traten den Rückweg an. Der junge Mann immer noch an unserer Seite. Am Fahrzeug angekommen, verlangte er Bakschisch. Schließlich habe er uns geführt und sein Freund hätte auf unser Fahrzeug aufgepasst. Entnervt drückte ich den beiden jeweils zwei Euro in die Hand und setzte mich schleunigst neben Katharina in den Wagen. Kurz darauf verschwand Altinkaya in meinem Rückspiegel. Auf dem Rückweg nach Bozyaka hielten wir noch einmal unterhalb eines Felsens, der wie ein Paviankopf aussah, an, um die herrliche Aussicht auf diesen Teil des Taurus-Gebirges zu genießen. Direkt unter uns das in diesem Abschnitt breite Tal der Köprü-Flusses. Die von dort ansteigenden Berge waren bis zum Höhenrücken bewaldet. Und erst im Hintergrund sahen wir fast weiße, felsige Gipfel. Nachdem wir die Römerbrücke passiert hatten, trafen wir auf das erste Fahrzeug seit zwei Stunden. Und auf der 35 Kilometer langen Strecke zur Küstenstrasse stießen wir auch nur auf zwei Personenwagen, drei Jeeps mit Touristen und einen „Dolmuş“.
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