Bootstouren von Güllük und von Kemer
Güllük Mit Mehmet Dönmez unterwegs. Pünktlich standen wir vor dem Gulet „Dönmez I”. Vor der Gangway mußten wir unsere Schuhe ausziehen, die Mehmet in einer Kiste deponierte und erst dann durften wir an Bord gehen.
Das Schiff nahm Kurs auf den Horizont. Das weiß leuchtende Güllük (typisch für die Ägäis) blieb hinter uns zurück. Die Umrisse der einzelnen Häuser verschwammen. Irgendwann waren nur noch die Gebäude unseres Hotels als solche zu erkennen. Katharina hatte es sich bereits auf dem Vorschiff bequem gemacht. Andere Ausflügler lagen auf dem Sonnendeck. Ich zog mich auch aus, legte mich neben Katharina und brutzelte kurz darauf ebenfalls in der Sonne, die vom wolkenfreien Himmel auf uns herabsah. Nach etwa einer Stunde steuerte Mehmet eine Bucht an. Sein Matrose sprang von Bord ins seichte Wasser, nahm das Tau und befestigte dieses an einem der vielen Felsen.
Der Kapitän scheuchte uns ins Wasser und kam kurz darauf selbst hinterher, in der Hand einen kleinen Ball. Im Nu hatte er uns in zwei Gruppen eingeteilt und es begann eine wilde Wasserballschlacht, die teilweise schwimmend und teilweise im flacheren Wasser stehend, vollzogen wurde. Egal ob Männlein oder Weiblein, alle machten mit oder wurden von Mehmet dazu genötigt, indem er abseits stehenden Touristen einfach den Ball zuwarf. Mit der Folge, daß sich mehrere Spieler der anderen Gruppe sofort unter Gejohle und heftig mit Wasser spritzend auf diese arme Person stürzten. Dieses Spiel dauerte gut zwanzig Minuten. Dann kam es zu ersten Auflösungserscheinungen und man badete sich aus. Kurz darauf nahm der Kapitän wieder Kurs auf das offene Meer. Wieder lagen wir alle auf dem Vorschiff oder dem Oberdeck in der Sonne.
Die nächste Bucht, hier lag eine tolle Yacht vor Anker, war besonders flach. Oben auf dem Berg befand sich eine große Villa. Auf halber Höhe der ansehnlichen Gartenanlage lag ein Tennisplatz. Auf Nachfrage erklärte uns unser Reiseführer, daß dieses Grundstück einer türkisch-russischen Firma gehöre. Mehr wisse er auch nicht. Mehmet bereitete uns darauf vor, daß wir nun eine besonderes „Peeling“ verabreicht und als verspätetes Frühstück Meeresfrüchte angeboten bekämen. Während sein Mitarbeiter das Boot festmachte, bereitete Mehmet ein großes metallenes Servierbrett vor. Er drapierte Melonenstücke, Weintrauben und anderes Obst auf dieses Tablett, dazwischen stellte er kleine Gläser und füllte sie mit „Raki“. Dann ging er über die Gangway von Bord, ins flache Wasser. Das Tablett hatte einen so hohen Rand, daß es sogar im Wasser schwamm. Jetzt winkte er uns heran und ermunterte uns, sitzend einen Kreis um das Tablett zu bilden. Er deutete auf das Eßbare in der Mitte: „Meeresfrüchte.“ Denn das Tablett, wie auch wir befanden uns im Meer und die Dekoration bestand aus Früchten. Nachdem das Tablett geleert war, führte uns Mehmet in einen noch flacheren Teil der Bucht, griff in das Wasser und förderte schwarzen Sand nach oben. Damit rieb er sich Beine, Körper und Arme ein. Mit dem Hinweis, daß dies ein besonders gutes „Peeling“ sei, forderte er uns auf, ihm nachzutun. Den “Dreck” wurden wir wieder los, indem wir ihn, im tieferen Meer schwimmend abwuschen. Während wir noch etwas badeten, suchte Mehmet zwischen den Felsen das Wasser ab. Plötzlich griff er zu und brachte einen Tintenfisch ans Tageslicht. Augenblicklich tötete er dieses Tier, indem er es mehrfach kräftig gegen die Felsen schlug. Dann begab er sich an Bord und nahm es aus. Anschließend deponierte er den Oktupus in einer Kühltruhe seiner Bugkabine. „Mein Abendessen“, so sein Kommentar.
Wieder auf offener See - wir lagen wieder in der Sonne - übergab Mehmet das Ruder seinem Matrosen und bereitete das Mittagessen vor. Spaghetti, „Köfte“ und geröstete „Ekmek“-Scheiben. Dazu benutzte er einen verhältnismäßig kleinen Gasgrill, der sich gegenüber dem Kapitänstisch in der Steuermannskabine befand. Auf dem Tisch stand bereits der türkische Bauernsalat. Den hatte sein Matrose zubereitet, während wir noch im Wasser planschten. Mehmet läutete die Schiffsglocke und rief uns zum Essen. Es war genug Platz an den Tischen und auch das Essen war ausreichend. Die Getränke wurden auf einem Zettel notiert, denn die mußten wir gesondert zahlen. Es gab Mineralwasser („Maden Suyu“), Cola, Fanta, „Efes“ und natürlich „Raki“ zur besseren Verdauung. Die letzte Bucht bot uns keinen Strand. Nur tiefes, dunkelblaues Wasser. Mehmet meinte, hier wären es etwa sieben Meter bis zum Grund. Aber da das Wasser außerordentlich klar war, sei hier ein ausgezeichneter Platz zum Schnorcheln. Unten gäbe es viele große Muscheln. Die meisten von uns schwammen aber nur um das Schiff herum oder zu den Felsen, um dort Meeresgetier zu suchen und zu beobachten. Aber einige hatten Schnorchel und Schwimmflossen dabei und versuchten Muscheln zu finden. Sie wurden sogar fündig. Auch Mehmet brachte ein Prachtexemplar ohne Schwimmflossen an die Oberfläche. Insgesamt wurden drei etwa 50 Zentimeter lange, flache Muscheln an Bord gebracht. Mehmet brach sie auf, entnahm das Fleisch, entfernte den Darm und durchsuchte das Gekröse. In einer der Muscheln entdeckte er ein winziges Stück Perle. Noch kleiner als ein Stecknadelkopf. Der Erntehelfer, der diese Muschel ans Tageslicht befördert hatte, freute sich trotzdem über dieses Andenken. Das Fleisch teilte Mehmet in kleine Happen, beträufelte es mit Zitronensaft und ließ den Teller reihum gehen. Aber nicht jeder probierte die echte Meeresfrucht.
Um uns die lange Rückfahrt zu verkürzen, übergab der Kapitän wieder das Ruder an seinen Steuermann und animierte uns zu einigen kurzweiligen Spielen. So staffierte er eine Passagierin mit einem Bauchtanz-Röckchen aus und ermunterte sie, unter von ihm produzierten Trommelschlägen und unter dem Gelächter der anderen Mitfahrer einen Bauchtanz zu vollführen. Bei einem anderen Spiel band er ein Pärchen, er hatte Katharina und mich auserkoren, mittels Bindfäden aneinander. Meinen Faden verknotete er so an meinen Handgelenken, daß dazwischen noch ein Abstand von ca. 50 Zentimeter verblieb. Bei Katharina tat er das Gleiche, führte diesen Faden aber zwischen meinen Armen hindurch. So aneinandergekettet, sollten wir nun versuchen, ohne einen Knoten zu lösen, wieder frei zu kommen. Wir könnten durchsteigen oder uns um die eigene Achse drehen. Wir könnten alles tun, nur nicht einen Knoten lösen. Aber ich mußte unseren Mitfahrern und Mehmet leider den Spaß verderben. Nach kurzer Überlegung fiel mir die Lösung wieder ein und wir waren frei. Ohne eine Verrenkung. Das T-Shirt mit dem Abbild der “Dönmez I“ als Belohnung habe ich heute noch. Den Rest der Rückfahrt verbrachten wir wieder an Deck. In der Sonne liegend.
Insgesamt gesehen, hatten wir einen schönen Tag verlebt. Wir wurden unterhalten und verköstigt. Wir konnten viel im Meer schwimmen und in der Sonne braten. Und brauchten uns zu keinem Zeitpunkt anziehen, um korrekt zum Dinner zu erscheinen. Ein Ausflug, den ich jedem Güllük-Besucher nur empfehlen kann. Das Schiff nannte sich „Dönmez I“ und der Kapitän heißt Mehmet. Email: donmez11@hotmail.com.
Kemer Eine Fahrt die Küste entlang Der Kleinbus kam pünktlich und brachte uns zum Hafen. Dort bestiegen wir eines der hölzernen Ausflugschiffe. Und bereits zehn Minuten später verließen wir, wie auch einige andere Gulets den Yachthafen von Kemer mit Kurs auf „Phaselis“, unserer ersten Station. Wir machten es uns auf dem Sonnendeck bequem. Noch stand die Sonne nicht sehr hoch am Himmel. Einen Sonnenbrand würden wir uns daher noch nicht holen. Und erst im “Südhafen” von „Phaselis“ standen wir auf, um uns in die erfrischenden, klaren Fluten zu stürzen. Viele unserer Mitfahrer gingen an Land, um sich die Ruinen dieser alten Siedlung anzuschauen. Wir nicht. Hatten wir doch erst vor einigen Monaten diese Sehenswürdigkeit ausgiebig und ganz allein besichtigt.
Nach einer knappen Stunde ging die Fahrt weiter. Katharina hatte sich bereits den besten Platz auf dem Vordeck gesichert und ließ sich von der Sonne verwöhnen. Ich legte mich dazu. Noch war die Hitze erträglich. Wir schipperten die Küste entlang, in südliche Richtung. Gegen Mittag erreichten wir „Olympos“. In der Bucht lagen schon etliche andere Ausflugsboote. Der Strand war bereits übervölkert, da sicherlich viele Ausflügler die Gelegenheit nutzten, die römischen und lykischen Ruinen, die sich über uns ausbreiteten, zu besuchen. Da wir sowieso ins Wasser mußten, um an Land zu kommen, schwammen Katharina und ich erst einmal ausgiebig in den klaren Fluten. Ich tauchte etwas, konnte aber in dieser flachen Bucht außer Geröll nichts Aufregendes entdecken. Dann begaben auch wir uns auf eine Exkursion zu den Ruinen von „Olympos“. Bis zum Mittagessen blieben uns noch dreißig Minuten. Diese Zeit reichte auch völlig, die Mauerreste auf der Anhöhe in Augenschein zu nehmen. Diese uralte Siedlung war von Archäologen noch nicht total umgekrempelt, beziehungsweise rekonstruiert worden. Somit blieb es uns überlassen, die sichtbaren Fundamente, Mauerreste und Torbögen irgendwelchen Badehäusern, dem Fort oder der byzantinischen Kirche zuzuordnen. Was unter dem Schutt lag, konnten wir oft nur vermuten. Schliemann hätte an den Ausgrabungen sicherlich seine helle Freude gehabt. Aber er wollte ja unbedingt Troja finden.
Pünktlich zum Mittagessen waren wir wieder an Bord. Da das Essen im Preis inbegriffen war, mußten wir nur die Getränke zahlen. Sie waren auch nicht teurer als an Land. Nach dem Essen bekamen wir noch einmal die Gelegenheit, im Wasser zu plantschen, dann wurde wieder Fahrt aufgenommen.
Unser letztes Ziel waren die „drei Inseln“ vor Tekirova. Die Eilande bestanden aus drei verschieden großen Felsgebilden, die aus dem Wasser herausragten und sogar mit einer türkischen Flagge bestückt waren. Niemand sollte auf den Gedanken kommen, daß es sich hier, in unmittelbarer Nähe zum türkischen Festland, um griechische Hoheitsgewässer handeln könnte. In der Ägäis war dies schon eher möglich. Zwischen den Felsen zu schwimmen und zu tauchen war viel interessanter als in den beiden Buchten. Jetzt konnten wir Fische beobachten und Muscheln sowie anderes Meeresgetier sehen. Und es war faszinierend, sich zwischen den Felsen hindurch gleiten zu lassen, um in der Nachbarbucht das Wasser als viel wärmer zu empfinden. Wir mußten nur aufpassen, daß wir uns nicht an den scharfen Felskanten schnitten. Aber Allah sei Dank hatten wir unsere Badeschuhe dabei.
Auf der Rückfahrt nach Kemer umrundeten wir die der Stadt vorgelagerte Halbinsel. Oben auf der felsigen Steilküste entdeckte ich ebenfalls Mauerreste. Aber um was für eine historische Siedlung oder Bauwerk es sich hier handelte, habe ich bis heute noch nicht herausbekommen können. Selbst Bewohner von Kemer hatten mir gegenüber bestritten, daß es dort oben eine Bebauung gab. Aber irgendwann werde ich dieses Gebiet über den Landweg erwandern. Allerdings nicht im Hochsommer.
Das Anlegemanöver im Hafen war ein aufregender Akt, denn wir waren nicht die Einzigen, die wieder einen guten Liegeplatz am Pier ergattern wollten. Es ging äußerst eng zu. Und es grenzte an ein Wunder, daß es zu keiner Kollision kam.
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